Unser medialer, spiritueller Alltag und unsere Businesswelt

Mein Mann und ich sind seit über 20 Jahren selbstständig und haben unsere Berufung zu unserer Lebensaufgabe gemacht. Die Medialität hat uns dann später gerufen. Die meisten glauben, dass ein Medium für Jenseitskontakte ein absolut tolles Leben hat. Den ganzen Tag mit dem Geistführer plaudern, Menschen beglücken und heilen. Zwischendurch eine Meditation oder kurz mal die

Botschaft des Tages channeln oder einige Momente chanten um den Energiepegel wieder anzuheben. Das sind vollkommen utopische Ideen. Zuerst einmal mussten wir zehntausende von Euros an spirituellen und medialen Ausbildungen ausgeben, um selbst etwas zu lernen, dann mussten wir all das verinnerlichen, umsetzen und eigene Erfahrungen machen, um schließlich irgendwann Konzepte zu entwickeln und unserem Lehrauftrag zu folgen. Lernen steht immer noch als Priorität auf unserer persönlichen Agenda

und zwar ganz oben. Doch heute sind es nur noch zwei Dinge:

  1. Lernen, weiter in die Liebe zu kommen.
  2. Lernen, wie wir mit unserer Botschaft viele Menschen erreichen.

Die spirituelle Szene ist zu einem gewaltigen Markt mutiert. 2012 betrug der Anteil der esoterischen Bücher im Buchmarkt bereits 37,7%. Das klingt viel, dennoch hat der Buchmarkt von Jahr zu Jahr rückläufige Zahlen. Lebensberatung ist ein Milliardengeschäft, vor allen Dingen für Beratungshotlines, die an TV Sendern hängen. Es gibt da ein paar große Namen, die jeweils für einige Millionen Umsatz stehen und zehntausende von spirituell Wirkenden, die unter dem Existenzminimum leben. Niemand kann als Autor bei einem Euro Verdienst pro Buch reich werden. Man schreibt heute Bücher aus Leidenschaft, um sich als Experte zu positionieren, aber nicht um Geld zu verdienen.

Wie kommt heutzutage Erfolg im medialen und spirituellen Bereich zustande?

Heutzutage ist Erfolg nicht unbedingt mehr eine Frage des Könnens, sondern eine Frage des Marketings. Sichtbarkeit in den sozialen Medien, einen einzigartigen USP (Unique selling Point) finden. Branding sollte natürlich auch sein. Den eigenen Namen als Marke etablieren und natürlich, wie manche äußerst reißerisch formulieren, innerhalb von 6 Wochen sich als Coach etablieren und die ersten sechsstelligen Summen einfahren. Dazu kommen umfangreiche Keywordanalysen, nicht zu vergessen die täglichen SEO-Maßnahmen auf der Homepage und die Schaltung von Anzeigen bei Google, Facebook und Instagram. All das hilft gar nichts, wenn die Texte auf der Homepage nicht stimmen, ein tolles Logo interessiert leider keine Maus. Launch, Salesfunnel, Automatisierung, Google analytics, CPC und Conversions gilt es zu beherrschen. Dazu braucht es Dutzende von Programmen um den esoterischen Markt zu überwachen. All das will gelernt sein und all das muss finanziert werden und all das kostet Zeit. Wenn Du Dich selbstständig machst im esoterischen Markt, weil Du blauäugig Menschen helfen willst ist Dir das nicht bewusst. Früher reichte eine Empfehlung, also Mund-zu Mund Propaganda. Heutzutage braucht es Reichweite und zwar überall.

Der ganz normale Alltag eines normalen Mediums für Jenseitskontakte

Ich kenne das alles und habe vieles davon auch gelernt in all den Jahren, dennoch wünsche ich mir oft, dass es anders ist. Ja, ich weiß, ich komme jetzt mit der guten alten Zeit, aber sehen wir einfach mal meinen täglichen Tagesablauf (auch am Wochenende)

  • Rechner hochfahren
  • Skypenachrichten überprüfen und beantworten
  • Facebookmessenger beantworten
  • Mehrere Facebookgruppen pflegen, Mitglieder freischalten, Fragen beantworten
  • Facebook Fanpages und Facebook Gruppen mit neuen Artikeln versorgen
  • Whats-App Gruppen lesen, um das Team auf dem Laufenden zu halten
  • Whats App Gruppen der festen Séancemitglieder lesen und evtl. beantworten
  • Videos für YouTube planen
  • Instagram nachschauen und Inhalte produzieren
  • Langfristigen Redaktionsplan erstellen und dafür Artikel schreiben und Adventskalender etc. befüllen
  • Meine privaten Mails lesen und beantworten
  • Den AB abhören und beantworten
  • Laufende Telefonate beantworten
  • Meine geschäftlichen Mails lesen und beantworten
  • Den nächsten Newsletter planen und schreiben
  • Faxnachrichten beantworten
  • Skypemeetings mit den Menschen, die mit mir an Projekten arbeiten zwecks Workflow und Koordination
  • Skypemeetings mit meinen Mitarbeitern, da die meisten im Homeoffice arbeiten und wir uns täglich oft mehrmals austauschen, damit der Workflow möglich ist

Dazu kommt je nach Tag

  • Tage voller Einzelberatungen (10 – 21 Uhr, oft nonstop)
  • Mindestens 2-3 Séancen pro Woche (abends)
  • Mindestens 2 Webinare pro Woche (abends)
  • Und in den meisten Wochen zusätzlich 3 bis 5 Seminartage
  • Manchmal eben noch einen Tag An- und Abfahrt
  • Studiotage von 10 – 18 Uhr zum Aufnehmen von Meditationen und Videos
  • Zusätzliche Videodrehs mit meinem Mann
  • Schreiben von Büchern und Vorbereiten von Webinaren und Seminaren
  • Der ganz normale Verwaltungsaufwand
  • Homepageentwicklung und Homepagepflege
  • Shopentwicklung und Shopflege

Was kommt noch dazu, wenn wir uns meinen spirituellen und medialen Alltag anschauen?

Das ist zu mindestens mein Alltag. Wir haben insgesamt 6 Mitarbeiter mit meinem Mann und mir und dennoch ist das Pensum nicht zu schaffen. Irgendetwas bleibt immer liegen. Dazu kommen die vielen Anfragen von Kunden oder solchen, die es werden wollen

Am Anfang hat mir das Stress verursacht. Tausend Leute schreiben einen gefühlt an und fragen:

  • Kannst Du das Seminar nochmal machen, ich kann an dem Termin nicht?
  • Kannst Du mich nicht als Medium einzeln coachen? Wieso nicht? Das ist aber nicht kundenfreundlich?
  • Warum habt ihr das Seminar XY nicht im Programm, dann würde ich sofort kommen?
  • Was, ihr habt von der XY-Energie noch nicht gehört? Das ist doch das Beste, was auf dem Markt ist.
  • Ich brauche sofort Hilfe, bisher konnte mir niemand helfen, Ihr seid meine letzte Hoffnung
  • Ich kann nicht vier Monate auf einen Termin warten, Kann Amara nicht auch um 22 Uhr beraten?

Was macht man, um hier eine Work-Life-Balance zu halten?

Wir sind auch nur Menschen und als solche können wir auch nur bedingt unser System belasten. Um diese Balance zu halten muss man lernen authentisch zu sein und auch einmal Nein sagen zu müssen, auch ein Nein zu einem Mehr an Einnahmen. Everybody’s Darling zu sein, bedeutet Everybody’s Depp zu sein. Das klingt hart, aber zwischen all der Verantwortung für unser Unternehmen und der Verantwortung für meine Mitarbeiter, gibt es auch noch eine Verantwortung für mich selbst, für meine Beziehung zu meinem Mann und für die Beziehung zu meiner Familie. An irgendeinem Punkt braucht es ein klares Manifest, für das, wie man nach Außen steht und ein weiteres für das Innere. Beide müssen sich ergänzen und miteinander harmonieren. Wir können nicht privat etwas anderes sein, wie als Seminarleiter.

Menschen durchschauen das sofort, vor allen Dingen bei uns, wo wir große Teile des Privatbereichs teilen. Das würde sofort auffallen. Wir gehören nicht zu den Seminarleitern, die in jeder Pause verschwinden. Bloß nicht ansprechen, der Maestro braucht Ruhe. Wir lieben es, uns mit Menschen auszutauschen. Menschen übernachten sogar in unserem Haus, aber abends sind unsere Privaträume tabu. Authentizität ist hier das Gebot der Stunde.

Wir wollen nichts vorlügen. Wir sind, wer wir sind und wir sind nicht perfekt, sondern sind auf der gleichen Journey, wie alle.

Klare Regeln und eine klare Kommunikation und Stellungnahme ist das Gebot

Ich bin kein weichgespülter Esoteriker, der nur auf Wolke Sieben schwebt und den Gong zum Leben noch nicht gehört hat. Mein Mann und ich sind hart arbeitende Menschen in einem Bereich, zu dem wir gerufen oder berufen wurden. Dies ist unser Weg, aber das bedeutet nicht, das man jeden Hype mitmachen, auf jeden Zug aufspringen, sich alles gefallen lassen muss oder keine eigene Meinung haben darf. Wir haben eine Menge Erfahrung mit Menschen und wir haben klare Regeln in unserem Seminarhaus und in unseren Seminaren.

Doch dies muss auch klar kommuniziert werden. Würden wir dies nicht tun, wären wir beide heute schon tot, hätten uns totgearbeitet und für jeden aufgerieben, ohne unser eigenes Leben zu leben.

Ich habe klare Meinungen und die gebe ich auch bekannt. Dann melden sich eben ein paar Menschen ab in meinen Facebookgruppen, das bereinigt dann auch wieder die Atmosphäre.

Das führt dann dazu, dass man entweder geliebt oder gehasst wird, aber auch damit müssen wir leben. Wir können nicht für den Himmel arbeiten und uns für Menschen prostituieren. Ich weiß, das ist ein hartes Wort, aber die Gefahr, gerade am Anfang einer Selbstständigkeit ist groß alles zu tun, damit der Kunde bleibt oder dass man überhaupt ein Einkommen hat.

Dann gibt es natürlich auch noch eine andere Seite, nämlich die geistige, spirituelle Seite

Unser Auftraggeber ist die geistige Welt und ihren Regeln sind wir verpflichtet. Diese Regeln sind allen spirituell Denkenden als die spirituellen Gesetze oder als hermetischen Gesetze bekannt. Als Medium unterliegt man den göttlichen Gesetzen um einiges härter. Wir müssen einen Maßstab setzen und wenn wir denn nicht einhalten, fliegt uns das alles um die Ohren. Man kann nicht mit hochschwingenden Energien arbeiten und im Leben nur niedrigschwingende Dinge veranstalten. Solches fliegt einem sofort um die Ohren.

Niemand hat uns so sehr erzogen wie die geistige Welt. Diese geistige Schulung ist liebevoll, aber hart und klar und nicht zu manipulieren oder zu unterlaufen.

Auch wenn unser Leben voller Arbeit ist, so empfinden wir all dies als eine Gnade und es kommt uns die meiste Zeit nicht als Arbeit vor. Es macht so viel Freude, wenn wir Menschen helfen können, Heilungen anstoßen können, sehen können, wenn ein Mensch es schafft, den ersten Jenseitskontakt hinzubekommen, Tränen der Freude und der Liebe zu sehen, wenn eine gelungene Kommunikation zwischen Himmel und Erde stattfindet. All das ist unser wahrer Lohn.

Pssst! Nicht weitersagen. Wir würden das auch alles tun, wenn wir kein Geld dafür bekommen, aber wir nehmen auch hier unsere Verantwortung ernst. Mitarbeiter wollen pünktlich ihr Geld und wir haben tolle Mitarbeiter. Jeder gibt ständig mehr als sein Bestes. Was wären wir für Menschen, wenn wir diese finanziell hängen ließen.

Oft plumpsen wir erst gegen ein Uhr morgens ins Bett. Es reicht immer noch dafür, einander in den Arm zu nehmen und Danke zum Partner zu sagen: Danke, dass Du da bist, danke dass wir diesen Weg gemeinsam gehen dürfen, Danke dass wir einander unterstützen und schon ist die Liebe wieder im Raum, die im Alltag oft zu kurz kommt und wir schauen dann zu unserem Wandtattoo, was über unserem Bett hängt worauf steht:

Liebe ist die einzige Wahrheit und alles ist gut.

Denn was wir tun, machen wir aus Liebe und wenn ich noch Tausend SEO Kurse kaufen muss und all den Internetkram lernen muss. Wenn das dazu gehört. um diese Botschaft zu verbreiten, dann machen wir das eben, dennoch Gottes Liebe hat noch nie Facebook oder SEO-Maßnahmen gebraucht, um sich zu verbreiten.

Sie ist.

Also Ihr Lieben da draußen, vergesst Euch selbst nicht in all den sozialen Medien, sondern nehmt Euch auch Zeit und bleibt authentisch, denn nur das wird Euch nachhaltig die richtigen Menschen zuführen. Die richtigen Lehrer, die richtigen Kunden und natürlich auch die richtigen Menschen in Eurem sozialen Umfeld. Also verliert Euch nicht im Dschungel des Internets und vergesst nie, was Eure eigentliche Message ist, die ihr in die Welt bringen wollt.

Lebt und feiert Eure Einzigartigkeit. Seid authentisch!