Freiheit – wo ist unser Mut geblieben

Über die Krisen in unserem Leben

Manchmal kommt man an einem Punkt im Leben, wo alles zu eng scheint. Man bekommt keine Luft mehr. Das Leben erscheint wie ein Gefängnis. Mauern überall. Schier unüberwindlich. Dazu werden einem von außen Grenzen gesetzt, von den Menschen, die uns umgeben, von unserem Arbeitgeber, von Corona, von der Regierung und wir fühlen uns ohnmächtig und fast ein wenig verloren.

Nichts erscheint mehr durchführbar und ein Gefühl von Resignation macht sich breit. Pläne und Träume scheinen verloren zu gehen. Probleme über Probleme türmen sich auf.  Unsere Energie ist erschöpft und Freude und Begeisterung sind nur noch Erinnerungen. Da war doch mal was? Aber man kann es nicht mehr fühlen. Wir funktionieren oft nur noch und ein Gefühl der Verzweiflung macht sich

von Zeit zu Zeit breit. Wir haben das Gefühl, dass uns unsere Haut zu eng geworden ist und wir geraten in eine Krise.

Crisis happens, when our life is too small.
Krisen erscheinen, wenn das Leben zu eng wird.

(Verfasser unbekannt)

Dabei wollten wir doch frei sein, wir wollten uns lösen. Denkt daran, wie ihr jung wart. Die meisten von uns wollten doch so schnell wie möglich ausziehen und das Elternhaus verlassen und auf eigenen Füßen stehen. Wir haben diese Trennung billigend in Kauf genommen und es erschien so einfach zu gehen. Damals haben wir nicht großartig gezweifelt. Wir sind einfach gesprungen, in eine vermeintlich größere Freiheit. Wir wollten weg, einfach nur weg. Wir hatten das Gefühl alles zu schaffen und unbesiegbar zu sein. Wir waren bereit Möbel aus Obstkisten zu bauen und auf der Matratze auf dem Boden zu schlafen, Hautsache weg. Jeden Tag Tütensuppe? Na und! Das haben wir alles in Kauf genommen. Niemand sollte uns mehr sagen, was wir zu tun und zu lassen hatten.

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb sich die meisten Menschen vor ihr fürchten.

(George Bernard Shaw)

In Wirklichkeit hatten wir dann eine größere Verantwortung. Wir mussten uns nun selbst versorgen, wir mussten arbeiten gehen, um alles zu finanzieren, wir mussten Miete zahlen und den Wohnraum einrichten und wenn jetzt in der Beziehung mit unserem Partner etwas schieflief, konnten wir uns nicht einfach zu Hause verkriechen, denn unser Zuhause war ja auch sein Zuhause. Nie waren wir weniger vorbereitet auf etwas. Es war ein absoluter Sprung ins Ungewisse, ohne Sicherheitsnetz. Aber wir waren bereit diese Verantwortung zu übernehmen, wir waren bereit uns diesen Herausforderungen zu stellen und wir sind gewachsen. Jeden einzelnen Tag. Es war so aufregend, gleichzeitig herausfordernd und zum ersten Mal im Leben konnten wir alles allein entscheiden. Wir hatten Mut und Power und waren neugierig, wie das Neue wohl sein würde. Ich habe mit 18 einen Tag vor Weihnachten mein Elternhaus verlassen. Meine Eltern wollten nicht akzeptieren, dass ich mit meinem zukünftigen Mann zusammenziehen wollte. Er hatte die falsche Religion. In einer katholischen Familie gibt es nur Katholiken. In dem Gespräch nannte mich mein Vater eine Nutte und das war zu viel. Ich packte meine Sachen und bin gegangen und saß Weihnachten voller Angst bei meinen zukünftigen Schwiegereltern und war nur am Weinen. Einen Tag später bin ich abends nochmal zu meinen Eltern gefahren und wollte eine Versöhnung. Aber die Worte wurden noch schlimmer und an diesem Punkt gab es nur noch die Trennung. Erst nach einem Jahr kam meine Mutter wieder auf mich zu. Meiner Schwester wurde der Umgang mit mir verboten und für meinen Vater existierte ich fast zwei Jahre nicht mehr. Das ist nun 38 Jahre her, aber damals habe ich etwas sehr Wesentliches gelernt.

Ich musste wachsen und diesem inneren Drang folgen und es war wichtig zu gehen. Diese Grenze, die man mir setzte und die Beschimpfung waren einfach zu viel.  Mein zukünftiger Mann war damals Oberfeldwebel bei der Luftwaffe. Also vorzeigewürdig. Wäre ich zu Hause geblieben, hätte ich dennoch mir immer sagen lassen müssen, dass ich wie eine Nutte (Originalwort) gehandelt habe. So oder so, ich hätte für immer mein Gesicht verloren. Aber ich wollte ja mehr Freiheit und für dieses höchste Gut war ich bereit den Schmerz der Trennung hinzunehmen. Merke: Damals nahm ich Schmerz, Loslassen und Trennung in Kauf um ein höheres, erstrebenswerteres Gut und damit ein höheres Bewusstsein zu erreichen.

Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.

(Christian Morgenstern)

 Gewohnheiten loslassen

Wenn eine solche Krise heute kommt und Du hast vielleicht die 40 Jahre bereits überschritten, dann hat sich ja vieles bereits in deinem Leben etabliert und gefestigt. Da gibt es vielleicht Kinder, eine Arbeitsstelle, einen Mann, ein Haus, Ratenverträge und ein Leben dessen Spuren bereits tief eingegraben sind. Auf alle Fälle sind sie Gewohnheit. Manche dieser Gewohnheiten hatten ihre Daseinsberechtigung, die heute vielleicht nicht mehr gilt, manche Gewohnheiten sind eher nutzlos und schaden uns auf vielen Ebenen.

Die meisten Gewohnheiten halten uns in ihren tiefen Spurrillen gefangen und wir schaffen es nicht andere Wege zu gehen, weil wir wieder etwas loslassen müssen und aufgeben müssen. Wir haben gelernt, das Loslassen erst einmal Schmerz verursacht. Das ist nämlich das erste ursächliche Gefühl, mit dem wir konfrontiert werden. Oft gefolgt von Unverständnis unserer nächsten Mitmenschen, da sie ja auch von unseren Entscheidungen betroffen sind und nun auch aus ihren Gewohnheiten geworfen werden. Das erzeugt ein Gefühl des Alleingelassen seins. Daraus resultiert dann die Frage, ob es das wert war. Unsicherheit und Zweifel entstehen.
Diese Gewohnheiten werden oft mit vermeintlichen Sicherheiten verwechselt. Gewohnheiten führen niemals in die Freiheit. Gewohnheiten sind ein Anzeichen von Stagnation und Resignation, wenn wir Gewohnheiten beibehalten, die uns nicht dienen. Sind wir in Gewohnheiten gefangen, dann denken wir nicht mehr nach über das Thema. Ein Automatismus entsteht und wir sehen nicht mehr hin und oft resignieren wir und denken nicht mehr über unsere Bedürfnisse, oder die des Partners nach oder ob alles noch für uns stimmig ist.

 Die meisten Menschen leben in den Ruinen und Trümmerlandschaften ihrer Gewohnheiten.

(Jean Cocteau)

Das geistige Prinzip – Der Heilige Geist

Und eines Morgens werden wir wach und wir könnten weinen, weil wir keine Luft mehr bekommen, alles ist zu eng geworden, Die Krise ist da. Tief im Innersten ist da eine immense Weigerung, etwas Neues anzufangen, wir wollen nicht mehr ohne Sicherheit, ohne Garantien springen und wir füttern lieber den Spatz in der Hand, als uns auf Adlers Fittichen zu begeben. Und während ich dies schreibe regt sich eine Erinnerung in mir an ein altes Kirchenlied: Lobet den Herrn. Es geht um die zweite Strophe.

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,

der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,

der dich erhält, wie es dir selber gefällt;

hast du nicht dieses verspüret?

Wenn wir uns diese Strophe ansehen, dann verstehen wir, warum wir eines Tages aufwachen und dieses unangenehme Gefühl spüren. Es wird uns gesandt und wir verspüren das Wirken Gottes in unserem leben. Man weißt uns darauf hinein, das wieder einmal die Zeit zum Springen da ist, das Du Dein Leben führen sollst, wie es Dir gefällt. Du bist hier, um Deine Einzigartigkeit auszudrücken und Du hast es verspürt.

De spiritu sancto, damit ist der Aspekt des heiligen Geistes gemeint, das Geistige über das irdisch erhabene. Das Geistige Prinzip, dass sich auch im Höheren Selbst ausdrückt. Selbst wenn Du nicht an das Göttliche glaubst, aber Deine Seele, die geistig ist und ethisch ist, spiegelt Dir oder hat dir gerade ein Zeichen gegeben, das wenn Du so weitermachst, Du nicht mehr sicher bist. Und genau das spürst Du. und ignorieren wir oft, bis uns unser Leben um die Ohren fliegt. Es ist immer besser selbst zu entscheiden. Die Entscheidungen, die uns das Leben sonst liefert, sind oft unangenehmer.

Findet an diesem Punkt keine Veränderung statt, beginnen oft Prozesse, die Dich in eine Depression, eine Resignation führen und der einstmalig lebendige Mensch mutiert zu einem Schatten seiner selbst.

In dieser zweiten Strophe klingt aber auch noch etwas anderes mit. Wenn Gott (oder Deine innere Stimme der Wahrheit) Dich bisher sicher geführt hat, warum sollte das nicht weiter der Fall sein?

Der Sprung ins Ungewisse – die alten Gleise

Ich habe bewusst das Bild des Goldfischs gewählt, der aus dem alten Glas springt und sein Gesichtsausdruck, während der in der Luft ist, zeigt seine Zweifel und seine Ratlosigkeit. Dennoch springt er. Sein altes Glas wurde zu eng oder die Fische, die sich um ihn herum gesammelt haben, passen nicht mehr zu dem neuen Denken und Handeln, dass sich Bahn brechen will.
Der Fisch braucht ein neues, jungfräuliches Terrain, aber dort ist er erst einmal alleine und ein Gefühl der Einsamkeit und Trennung bricht auf, angesichts des neuen Terrains. Dennoch wird er erst einmal freier atmen können und er hat die Möglichkeit, alles neu zu erschaffen, aber er muss dafür die alten Gleise verlassen. Er kann doch entscheiden, ob er jemanden mitnehmen möchte auf seine neue Reise.

Der Sprung ins Ungewisse ist ein wenig mit dem Jakobsweg vergleichbar. Niemand kann den Jakobsweg für uns gehen und diesen inneren Weg zu gehen bedeutet letztendlich, dass jeder innere Entwicklungsschritt auch einen Schritt im Außen bedingt. Unterlassen wir das und entwickeln uns erst einmal nur geistig, dann, ja dann kommt irgendwann der Punkt wo wir Neuland erobern müssen und wir dürfen darauf vertrauen, geführt zu sein, solange wir der Stimme unseres Herzen folgen.

Bleiben wir aber in den alten Gleisen und versuchen unsere alte, vermeintliche Sicherheit aufrecht zu erhalten, dann wird das mit dem neuen Bewusstsein nicht langfristig gehen. Wir sehen das oft an jahrelangen Depressionen, wenn beispielsweise jemand bei einem gewalttätigen Partner bleibt, wenn jemand genau weiß, dass der Ort, an dem er lebt, nicht sein Ort ist, aber weder ein Umzug noch die Suche nach einem neuen Arbeitgeber erfolgt. Lieber jammert man stattdessen rum und redet sich die jetzige Situation schön.

Beispiele dazu gibt es viele. Die meisten Menschen wissen, dass Sie sich ungesund ernähren und sie haben ein schlechtes Gewissen. Sie werden kränker und kränker, dennoch ändern sie nichts, aus alter Gewohnheit. Irgendwann sprengt der Körper dann diese festgefahrenen Gewohnheiten, in dem man eine tödliche Krankheit diagnostiziert bekommt oder dem Tod gerade noch einmal entrinnt.

Dann wird uns gewaltsam etwas gezeigt und weggenommen und wir sind gezwungen uns zu verändern. Jeder kennt diese Situationen.

Wir glaubten uns unserer Liebe sicher, festgefahrene Routinen und dann sagt uns unser Partner: “Du, ich habe jemanden kennengelernt, der mich lebendig macht.“ Und unsere Welt versinkt in Trümmern.

Krisen führen uns zurück in die Lebendigkeit unseres Lebens. Krisen bedeuten immer, dass etwas in unserem Leben gestorben oder nicht mehr lebendig ist.

Lebendiges Prinzip der Natur

Schauen wir uns die Natur an. Nach jeder Krise, wie Trockenheit oder Waldbrand bricht sich die Lebendigkeit in einer neuen Fruchtbarkeit einen neuen weg. Die Natur arbeitet immer nach dem Fülleprinzip. Sie fragt sich nicht, ob es Sinn macht nun 10 Blüten und Früchte zu produzieren. Sie produziert unendlich viele und alle verlassen das Nest und suchen sich einen neuen Standort. Manchmal fliegt der Samen kilometerweit, manchmal wird er durch Tiere noch weiter weggetragen und fast immer bleibt auch ein wenig der neuen Saat am alten Standort. Die Hauptpflanze stirbt, aber sie geht weiter und produziert Fülle und das ist es, wozu wir aufgerufen sind. Nicht aus dem Mangeldenken heraus untätig zu sein, sondern verschwenderische Fülle zu produzieren.

Wenn das am alten Standort nicht möglich ist, dann geht sie woandershin. In meinem Leben hilft es mir immer zu schauen, wie die Natur es macht. Und Angst?

Ich weiß, dass Angst aus einem fiktiven „was wäre, wenn-Szenario“ entspringt, aber Tun mir die Möglichkeit der Selbstverantwortung gibt und deswegen springe ich … immer.
Gegen meine Angst, gegen meinen inneren Widerstand, gegen meine Zweifel, denn Veränderung sind notwendig um weiter zu wachsen, weiter atmen zu können.

Augen zu und durch.

Was lernt man nun vom Leben

In den 56 Jahren meines Lebens habe ich vieles gelernt in meiner spirituellen Laufbahn. Ich bin tief geprägt worden von meinen Kontakten als Medium zu Verstorbenen. In diesen Jenseitskontakten war so viel Liebe zu spüren und die Menschen berichteten über das, was sie unterlassen haben in dieser Welt.

Auch die Teachings von meinem Geistführer haben sich unauslöschlich in mein Herz gebrannt. Und zurzeit schreibe ich an einem neuen Buch, wo ich aus einer ganz weisen Quelle Inspiration, eher ein Diktat, bekomme. All diese Erfahrungen und mein gelebtes Leben haben dazu geführt, dass ich eine eigene Agenda aufgestellt habe, nach der ich agiere, wenn es um Entscheidungen geht. Diese Leitsätze müssen mit jeder Entscheidung harmonieren. Wenn nicht, arbeite ich so lange daran, bis sie harmonieren, denn sonst ist die Entscheidung nicht richtig.

Es gibt wenige Leitsätze in meinem Leben, aber einige davon sind:

  • Suche das Lebendige und Du wirst lebendig!
  • Bist Du nicht be-geistert, dann fehlt das Prinzip des Geistes.
  • Handel ausschließlich aus Liebe.
  • Mach niemals etwas aus Geldgründen, sondern entwickele Dinge nur aus Liebe.
  • Die Natur zeigt Dir den Weg.
  • Hör auf Deine innere Stimme, denn sie ist das Göttliche in Dir
  • Vertraue darauf, dass alles zur rechten Zeit passiert.
  • Hab Vertrauen, dass Dich jede Krise in eine bessere Zukunft führt.
  • Übernimm die absolute Verantwortung für Dich, Dein Leben und den Ort, an dem Du lebst.
  • Inneres und äußeres Leben müssen übereinstimmen.
  • Du bist ein freier Mensch und Würde und Freiheit müssen erhalten bleiben, bei dem was Du tust.
  • Begib Dich nicht in Abhängigkeiten und andere Verstrickungen. Bleib frei.
  • Erschaffe Werte.
  • Folge den göttlichen Gesetzen. Damit meine ich die hermetischen Gesetze.

Lebe! Liebe! Lache!

Oder wie es in unserem Gottesdienst in der Osternacht als Channeling kam:

Geh hin und lebe!

Jeder von uns ist hier, um etwas in diese Welt zu gebären. Was willst Du in dieser Welt hinterlassen?

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